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Steppenfuchs Mongolei Reisen

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Auf den Spuren von Dschingis Khan

Dschingis Khan – Herrscher, Eroberer und Begründer eines Weltreiches

Dschingis Khan zählt zu den erfolgreichsten und zugleich umstrittensten Herrschern der Weltgeschichte. Unter seiner Führung entstand im 13. Jahrhundert das größte zusammenhängende Landreich, das jemals innerhalb der Lebenszeit eines einzelnen Herrschers aufgebaut wurde.

Aus einem Zusammenschluss zerstrittener mongolischer Stämme formte er eine straff organisierte und schlagkräftige Einheit. Durch seine militärischen Fähigkeiten, seine politischen Reformen und seine außergewöhnliche Führungskraft schuf er die Grundlage für das Mongolenreich. Mit seinen Feldzügen unterwarf er weite Teile Asiens und ließ seine Macht schließlich bis tief nach Europa ausdehnen.

Geprägt wurde Dschingis Khans Persönlichkeit durch das harte Leben in der mongolischen Steppe. Er galt als entschlossen, zielstrebig und strategisch denkend. Gleichzeitig war er offen für den Rat erfahrener Gefolgsleute und verstand es, fähige Menschen unabhängig von ihrer Herkunft in seinen Dienst einzubinden. Viele seiner Anhänger schätzten ihn für seine Fähigkeit, Ordnung zu schaffen, seine persönliche Disziplin sowie für ein ausgeprägtes Verständnis von Loyalität und Gerechtigkeit innerhalb seines Reiches.

Sein Name steht jedoch auch für die Härte und Gewalt der mongolischen Eroberungen. Städte und Völker, die Widerstand leisteten, wurden häufig mit großer Brutalität bestraft. Die Angst vor seiner militärischen Macht war ein entscheidender Bestandteil seiner Strategie. Gleichzeitig folgte er festen Regeln und politischen Zielen und nutzte nicht nur Gewalt, sondern auch Diplomatie, Verwaltung und wirtschaftliche Verbindungen, um sein Reich zu festigen.

Dschingis Khan bleibt daher eine historische Persönlichkeit voller Gegensätze: ein visionärer Staatsgründer und militärischer Stratege auf der einen Seite, ein gefürchteter Eroberer auf der anderen. Sein Erbe prägt die Geschichte der Mongolei bis heute und ist ein zentraler Bestandteil der mongolischen Identität.

Ein häufig zitiertes Wort, das Dschingis Khan zugeschrieben wird, beschreibt die damalige Weltanschauung eines Kriegerherrschers. Allerdings ist die genaue Herkunft und Überlieferung dieses Zitats historisch nicht eindeutig belegt und sollte daher mit Vorsicht betrachtet werden.

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Ögödei, der dritte Sohn Dschingis Khans und sein Nachfolger als Großkhan des Mongolenreiches, ließ in den ersten Jahrzehnten nach dem Tod seines Vaters die Geschichte der mongolischen Herrscher und der Entstehung des Reiches aufzeichnen. Um das Jahr 1240 entstand das Werk „Ursprung des Herrschers“, das später als „Geheime Geschichte der Mongolen“ bekannt wurde.

Der Name „Geheime Geschichte“ entstand, weil die Schrift nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war. Sie durfte nur von Mitgliedern des Herrscherhauses und den höchsten Würdenträgern eingesehen werden. Dadurch blieb sie über Jahrhunderte ein verborgenes Dokument und ist heute eine der wichtigsten Quellen zur Geschichte der Mongolen.

Besonders wertvoll ist die „Geheime Geschichte der Mongolen“, weil sie nicht nur die großen Erfolge und Eroberungen Dschingis Khans beschreibt, sondern auch schwierige und teilweise unangenehme Ereignisse innerhalb des Herrscherhauses überliefert. Dadurch vermittelt sie ein deutlich differenzierteres Bild der mongolischen Geschichte.

Im Gegensatz dazu entstand die offizielle Chronik „Dschami at-Tawarich“ des persischen Gelehrten Raschid ad-Din erst später. Da ihm die „Geheime Geschichte der Mongolen“ nicht zugänglich war, stützte er sich auf andere Berichte und stellte bestimmte Ereignisse teilweise anders dar oder bewertete sie aus der Perspektive der offiziellen Hofgeschichtsschreibung.

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Die Abstammung Dschingis Khans beginnt in der mongolischen Überlieferung mit einer mythischen Legende, die in der „Geheimen Geschichte der Mongolen“ (Mongolisch: Монголын нууц товчоо) überliefert ist, der wichtigsten historischen Quelle zur frühen Geschichte der Mongolen.

Dort heißt es:

„Der Urahn Dschingis Khans war ein vom Ewigen Blauen Himmel (Möngke Tengri) gesandter, schicksalserkorener grauer Wolf. Seine Gattin war eine weiße Hirschkuh. Sie kamen über den Tengis-See und ließen sich an der Quelle des Onon-Flusses beim heiligen Berg Burkhan Chaldun nieder. Dort wurde ihnen ein Sohn geboren: Batatschichan.“

Diese Legende verbindet die Herkunft des mongolischen Herrschers mit den beiden wichtigsten Symboltieren der mongolischen Nomadenwelt. Der Wolf stand für Stärke, Mut und den kriegerischen Geist, während die weiße Hirschkuh als Ahnmutter und Symbol für Fruchtbarkeit und Schutz verehrt wurde. Gleichzeitig zeigt die Erzählung die enge Verbindung der Mongolen zum Ewigen Himmel (Tengri), der als höchste göttliche Kraft über dem Schicksal der Menschen stand.

Von den mythischen Vorfahren zum Clan der Borjigin

Batatschichan gilt in der mongolischen Überlieferung als Stammvater einer langen Reihe von Herrschern und Clanführern. Viele Generationen später erscheint die Gestalt des Dobun des Klugen, der mit Alan-qo’a, der Schönen, verheiratet war.

Nach Dobuns Tod gebar Alan-qo’a noch drei weitere Söhne. Der Überlieferung nach erklärte sie deren Herkunft mit einer göttlichen Erscheinung: Ein goldener Lichtstrahl sei in ihre Jurte eingedrungen und habe sie befruchtet. Damit wurde die Abstammung dieser Söhne nicht auf einen menschlichen Vater, sondern auf eine himmlische Herkunft durch Tengri zurückgeführt.

Einer dieser Söhne war Bodontschar, der als historisch greifbarere Figur gilt und als einer der Stammväter des Borjigin-Clans angesehen wird – jener Herrscherfamilie, aus der später Dschingis Khan hervorging. Einer seiner Nachfahren war Jisügei Ba’atur, der Vater Dschingis Khans. Der Titel „Ba’atur“ bedeutete „Held“ oder „tapferer Krieger“ und war eine Auszeichnung für bedeutende Clanführer und Krieger.

Die Geburt eines zukünftigen Herrschers

Jisügei Ba’atur war ein Anführer des Kiyat-Borjigin-Clans. Einer Überlieferung zufolge begegnete er eines Tages dem Merkit-Krieger Tschiledu, der gerade seine Braut Ho’elun aus dem Stamm der Onggirat nach Hause führte. Jisügei entschloss sich, Ho’elun zu entführen und sie zu seiner Frau zu machen – ein Ereignis, das später weitreichende Folgen für die Geschichte der Mongolen haben sollte.

Obwohl Ho’elun durch diese Entführung ihre ursprüngliche Familie und ihren Verlobten verlor, wurde sie eine starke und bedeutende Persönlichkeit innerhalb des Borjigin-Clans. Sie half Jisügei, seine Familie zu führen und zog später ihre Kinder unter schwierigen Bedingungen auf.

Aus der Verbindung von Jisügei und Ho’elun wurde um das Jahr 1162 Temüdschin geboren – der spätere Dschingis Khan, der Begründer des Mongolenreiches.

Der Konflikt mit den Merkiten sollte jedoch nicht vergessen werden. Der Brautraub Ho’eluns wurde zu einem Grund für die spätere Feindschaft zwischen den Borjigin und den Merkiten, die Jahrzehnte später eine wichtige Rolle im Leben des jungen Temüdschin spielte.

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Die Geburt eines zukünftigen Herrschers

Nach mongolischer Überlieferung wurde Temüdschin, der spätere Dschingis Khan, im Jahr 1162 geboren. Sein Vater Jisügei Ba’atur kehrte nach einem Feldzug gegen die Tataren mit einem Gefangenen namens Temüdschin zurück. Nach diesem Mann soll er seinen ersten Sohn benannt haben. Der Name Temüdschin wird häufig mit „Schmied“ oder „Eisenarbeiter“ in Verbindung gebracht und symbolisiert Stärke und Härte.

Die „Geheime Geschichte der Mongolen“ berichtet außerdem, dass Temüdschin bei seiner Geburt einen Klumpen geronnenen Blutes in der Hand gehalten habe. Der Schamane des Clans deutete dies als Zeichen dafür, dass dem Kind eine außergewöhnliche Zukunft als großer Krieger und Anführer bevorstand. Diese Erzählung ist vor allem als symbolische Darstellung seiner späteren Macht zu verstehen.

Die Welt der mongolischen Stämme

Temüdschin wurde in eine Welt geboren, die noch weit von einem geeinten mongolischen Staat entfernt war. Die Mongolen waren in zahlreiche Clans und Unterclans aufgeteilt, die häufig miteinander um Weideland, Vieh und Einfluss kämpften. Frühere Versuche einer Einigung unter Herrschern wie Kabul Khan, dem Großvater Jisügeis, waren wieder zerbrochen.

Temüdschin gehörte zum angesehenen Borjigin-Clan und zum Unterclan der Qiyat. Die mongolische Gesellschaft bestand damals aus unterschiedlichen Lebensformen: Während einige Gruppen als nomadische Viehzüchter in den offenen Steppen lebten, waren andere stärker von der Jagd in den Waldgebieten geprägt. Bei den Steppennomaden besaßen Stammesfürsten und Krieger eine große Bedeutung, während bei den Waldvölkern Schamanen eine besonders wichtige Rolle spielten.

Kindheit, Freundschaft und erste Erfahrungen

Wie andere Kinder der Steppe lernte Temüdschin früh Reiten, Bogenschießen und den Umgang mit den Tieren. Schon in jungen Jahren begegnete er dem gleichaltrigen Dschamucha, dem Sohn eines befreundeten Clans. Zwischen den beiden entstand eine enge Freundschaft, die später durch eine traditionelle Schwurbruderschaft (Anda) besiegelt wurde.

Diese Verbindung sollte später eine bedeutende Rolle spielen: Aus den beiden Freunden wurden zunächst Verbündete, später jedoch politische Gegner im Kampf um die Vorherrschaft über die mongolischen Stämme.

Der Verlust des Vaters und der Kampf ums Überleben

Im Alter von etwa neun Jahren suchte Jisügei für seinen Sohn eine Ehefrau. Nach mongolischer Tradition heiratete man häufig jung und außerhalb des eigenen Clans. Jisügei wandte sich an die Qongiraten, den Stamm, aus dem auch Temüdschins Mutter Ho’elun stammte. Dort wurde die Verbindung mit Börte, der Tochter des Clanführers Dei-setschen, vereinbart.

Auf dem Rückweg begegnete Jisügei Angehörigen der Tataren, die ihn erkannten und ihn vermutlich vergifteten. Noch bevor Temüdschin seinen Vater erreichen konnte, starb Jisügei – ein Ereignis, das das Leben des jungen Temüdschin grundlegend veränderte.

Nach dem Tod des Clanführers zerfiel der Machtverband. Viele Gefolgsleute verließen die Familie, da sie keine Aussicht mehr auf Beute und Schutz sahen. Der Taidschut-Clan nahm die Herden an sich und ließ Ho’elun mit ihren Kindern zurück.

Ho’elun bewies in dieser schwierigen Zeit außergewöhnliche Stärke. Sie ernährte ihre Familie unter einfachsten Bedingungen und brachte ihren Kindern bei, zusammenzuhalten und ums Überleben zu kämpfen. Am Onon-Fluss sammelte sie Beeren, Wurzeln und wilde Pflanzen und hielt die Familie trotz großer Not zusammen.

Temüdschins erster Machtkampf

Als Jugendlicher geriet Temüdschin in einen Konflikt mit seinem Halbbruder Bekter. Die „Geheime Geschichte der Mongolen“ berichtet, dass Bekter und sein Bruder Belgütei den jungen Temüdschin und seinen Bruder Chasar bestohlen hätten. Daraufhin erschossen Temüdschin und Chasar Bekter.

Dieses Ereignis zeigt bereits die harte Realität der mongolischen Steppe, in der Macht, Besitz und familiäre Stellung über das Überleben entscheiden konnten. Gleichzeitig deutet es auf Temüdschins frühen Willen hin, Verantwortung zu übernehmen und seine Position innerhalb der Familie durchzusetzen.

Gefangenschaft und Rückkehr zu Börte

Die Taidschut, die nach Jisügeis Tod ihre eigene Macht sichern wollten, sahen in Temüdschin eine zukünftige Bedrohung. Sie nahmen ihn gefangen und demütigten ihn, doch Temüdschin gelang eine spektakuläre Flucht, die seinen Ruf als entschlossener und mutiger junger Mann stärkte.

Nach seiner Flucht suchte er Dei-setschen, den Anführer der Qongiraten, auf und erinnerte ihn an das alte Eheversprechen mit Börte. Beeindruckt von Temüdschins Mut hielt Dei-seitschen sein Wort und gab ihm Börte zur Frau. Ho’elun erhielt als Brautgeschenk einen wertvollen schwarzen Zobelpelz.

Der Beginn politischer Bündnisse

Der Zobelpelz wurde für Temüdschin zu einem wichtigen Symbol. Er schenkte ihn Toghril Khan, dem Herrscher der Keraiten und ehemaligen Schwurbruder seines Vaters. Toghril versprach ihm Unterstützung beim Aufbau seiner eigenen Macht.

Damit begann Temüdschin, ein Netzwerk aus Bündnissen aufzubauen. Er war zwar zunächst noch abhängig von mächtigeren Herrschern, gewann aber zunehmend eigene Anhänger.

Die Entführung Börtes durch die Merkit

Die Vergangenheit holte Temüdschin jedoch ein. Die Merkit hatten den Brautraub seiner Mutter Ho’elun durch Jisügei nie vergessen und suchten Vergeltung. Sie griffen Temüdschins Lager an. Während Temüdschin, seine Mutter und seine Brüder entkommen konnten, wurde Börte von den Merkit gefangen genommen.

Dieser Abschnitt gehört zu den schwierigsten Kapiteln in der frühen Geschichte Dschingis Khans. Die Quellen behandeln die Ereignisse unterschiedlich, doch sicher ist: Die Gefangenschaft Börtes wurde zu einem entscheidenden Wendepunkt in Temüdschins Leben.

Mit Unterstützung von Toghril Khan und seinem alten Freund Dschamucha stellte Temüdschin ein großes Heer zusammen. Gemeinsam besiegten sie die Merkit und befreiten Börte.

Kurze Zeit später gebar Börte ihren ersten Sohn Dschotschi. Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, ob Temüdschin oder ein Merkit-Krieger sein Vater war. Temüdschin akzeptierte Dschotschi jedoch als seinen Sohn und machte keinen Unterschied zwischen ihm und seinen anderen Kindern.

Diese Ereignisse prägten den jungen Temüdschin entscheidend. Aus einem verstoßenen Sohn ohne Macht entwickelte sich ein außergewöhnlicher Anführer, der innerhalb weniger Jahrzehnte die mongolischen Stämme vereinen und eines der größten Reiche der Weltgeschichte erschaffen sollte.

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Der Weg zum Khan der Mongolen

Als Temüdschin etwa zwanzig Jahre alt war, hatte er ein außergewöhnliches Ziel vor Augen: Er wollte die zerstrittenen mongolischen Stämme unter seiner Führung vereinen. In einer Zeit, in der Bündnisse oft nur kurze Zeit hielten und Macht durch Abstammung, Besitz und militärische Stärke bestimmt wurde, setzte Temüdschin auf eine neue Form der Herrschaft.

Er gewann Anhänger nicht nur durch seine Herkunft, sondern vor allem durch persönliche Loyalität, Großzügigkeit und die Aussicht auf eine bessere Stellung innerhalb seiner Gemeinschaft. Während traditionelle Stammesführer ihre Macht vor allem auf ihre Verwandtschaft stützten, belohnte Temüdschin Menschen nach ihren Fähigkeiten und ihrer Treue.

Auch die Vorstellung, dass er vom Ewigen Himmel (Möngke Tengri) auserwählt sei, spielte eine wichtige Rolle. Für die tief religiösen Nomaden der Steppe war dies ein bedeutendes Zeichen seiner Legitimation.

Sein Verhältnis zu seinem früheren Schwurbruder Dschamucha verschlechterte sich zunehmend. Beide hatten unterschiedliche Vorstellungen über die Zukunft der Mongolen: Während Dschamucha stärker an den traditionellen Adel und die alte Ordnung gebunden blieb, setzte Temüdschin zunehmend auf persönliche Bindungen und Leistung.

Die Erhebung zum Khan

Um das Jahr 1189 oder 1190 schlossen sich mehrere bedeutende mongolische Fürsten Temüdschin an und erhoben ihn zum Khan. Die Quellen berichten, dass er den Titel Dschingis Khan erhielt – die genaue Bedeutung dieses Namens ist jedoch bis heute nicht eindeutig geklärt.

Eine häufig vertretene Erklärung verbindet den Namen mit dem türkischen Wort „tengiz“ (Meer, Ozean). Andere Forscher vermuten alternative Bedeutungen wie „universell“ oder „allumfassend“. Sicher ist jedoch: Der Titel sollte seine außergewöhnliche Stellung als Herrscher über die mongolische Welt ausdrücken.

Zu diesem Zeitpunkt kontrollierte Dschingis Khan bereits mehrere bedeutende Gefolgschaftsverbände. Doch von einem geeinten Mongolenreich war er noch weit entfernt.

Aufbau einer neuen Ordnung

Dschingis Khan begann sofort damit, seine Gemeinschaft neu zu organisieren. Er schuf eine Ordnung, in der nicht allein Herkunft und Abstammung, sondern vor allem Können und Loyalität über die Stellung eines Menschen entschieden.

Treue Gefolgsleute erhielten wichtige Aufgaben: Sie wurden Heerführer, Verwalter, Boten oder Mitglieder seiner persönlichen Leibwache. Für eine schnelle Kommunikation führte er ein Nachrichtensystem mit berittenen Boten ein, das später zu einem der leistungsfähigsten Kommunikationsnetze der damaligen Welt wurde.

Diese Reformen unterschieden Dschingis Khan deutlich von den meisten anderen Steppenherrschern seiner Zeit.

Der Konflikt mit Dschamucha

Dschamucha betrachtete den Aufstieg seines ehemaligen Schwurbruders zunehmend als Bedrohung. Er selbst strebte ebenfalls nach der Führung der Mongolen und wurde zum wichtigsten politischen Gegner Dschingis Khans.

Ein Streit zwischen ihren Anhängern führte schließlich zum offenen Konflikt. Nach einer Schlacht erlitt Dschingis Khan zunächst eine schwere Niederlage und musste sich vorübergehend zurückziehen.

Diese Niederlage war jedoch kein Ende seiner Karriere, sondern eine wichtige Erfahrung. Dschingis Khan lernte daraus und begann, seine militärische Organisation weiter zu verbessern.

Bündnis mit Toghril Khan und der Kampf gegen die Tataren

Eine wichtige Rolle spielte weiterhin Toghril Khan, der Herrscher der Keraiten und ehemaliger Verbündeter von Dschingis Khans Vater Jisügei. Obwohl das Verhältnis zwischen beiden immer wieder von Spannungen geprägt war, benötigten sie einander politisch und militärisch.

Die chinesische Jin-Dynastie hatte ihre Bündnispolitik gegenüber den Steppenvölkern verändert und betrachtete nun die Tataren als Bedrohung. Gemeinsam mit Toghril Khan beteiligte sich Dschingis Khan an einem Feldzug gegen diesen alten Feind.

Der Sieg über die Tataren stärkte Dschingis Khans Stellung erheblich und brachte ihm erstmals Anerkennung außerhalb der mongolischen Stammeswelt.

Die Jin verliehen Toghril den Ehrentitel Wang Khan, während Dschingis Khan zunächst eine niedrigere Auszeichnung erhielt. Dennoch war dies ein wichtiger Schritt auf seinem Weg zur internationalen Anerkennung.

Die Ausschaltung seiner Rivalen

Nach seinen militärischen Erfolgen wandte sich Dschingis Khan gegen jene Stämme und Fürsten, die sich ihm widersetzt hatten. Dabei ging es nicht nur um Vergeltung, sondern auch darum, die alten Stammesstrukturen zu beseitigen, die einer dauerhaften Einigung der Mongolen im Weg standen.

Mehrere rivalisierende Fürsten wurden besiegt oder getötet. Damit entfernte Dschingis Khan wichtige Konkurrenten um die Herrschaft über die mongolischen Stämme.

Gleichzeitig zeigte sich eine zentrale Eigenschaft seiner Politik: Er konnte ehemalige Feinde aufnehmen, wenn sie ihm Nutzen brachten. Ein Beispiel dafür war Dschebe, der zunächst gegen ihn kämpfte, später jedoch einer seiner berühmtesten Generäle wurde.

Die endgültige Niederlage der Keraiten und Naimanen

Das Bündnis mit Toghril Khan zerbrach schließlich. Machtkämpfe innerhalb der Keraiten und der Einfluss Dschamuchas führten dazu, dass sich ehemalige Verbündete gegen Dschingis Khan stellten.

Im Jahr 1203 besiegte Dschingis Khan die Keraiten. Toghril Khan floh und wurde auf der Flucht getötet. Damit fiel eines der mächtigsten Reiche der Steppe unter seine Kontrolle.

Anschließend wandte er sich gegen die Naiman, die zu den kulturell fortschrittlichsten Völkern Zentralasiens gehörten und bereits eine eigene Schrift besaßen. Nach mehreren Feldzügen wurden auch sie besiegt.

Mit dem Sieg über Keraiten, Merkit und Naiman hatte Dschingis Khan seine wichtigsten Gegner ausgeschaltet. Der Weg zur Einigung der mongolischen Stämme war frei.

Die Reichsgründung von 1206

Im Frühjahr 1206 versammelte sich ein großer Reichstag (Kurultai) an der Quelle des Onon-Flusses. Dort wurde Temüdschin zum Herrscher aller Mongolen ausgerufen.

Er führte nun den Titel Dschingis Khan und beherrschte ein Reich mit zahlreichen Stämmen und Völkern. Seine Armee bestand aus etwa 100.000 Kriegern.

Doch sein größter Erfolg lag nicht nur in seinen Eroberungen. Er hatte aus einer Vielzahl verfeindeter Clans eine politische Gemeinschaft geschaffen, deren Loyalität nicht mehr ausschließlich dem Stamm, sondern dem Khan galt.

Damit begann eine der außergewöhnlichsten Epochen der Weltgeschichte: der Aufstieg des Mongolenreiches.

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Im Jahr 1222 wurde Dschingis Khan erstmals mit seiner eigenen Sterblichkeit konfrontiert. Während er bereits neue Feldzüge plante und weiterhin an die Ausdehnung seines Reiches dachte, erinnerte ihn seine Lieblingsfrau Yesui daran, dass auch ein mächtiger Herrscher nicht unsterblich ist.

In der „Geheimen Geschichte der Mongolen“ wird berichtet, dass Yesui ihn fragte, wem er nach seinem Tod die Herrschaft über seine „Völker“ anvertrauen wolle. Sie verglich Dschingis Khan mit einem großen Baum, der eines Tages fallen müsse.

Dschingis Khan soll daraufhin geantwortet haben, dass Yesui trotz ihrer Stellung als Frau eine wichtige Wahrheit ausgesprochen habe. Zum ersten Mal beschäftigte er sich ernsthaft mit der Frage, wie die Zukunft seines Reiches nach seinem Tod gesichert werden könne.

Zunächst dachte Dschingis Khan daran, seinen ältesten Sohn Dschotschi als Nachfolger einzusetzen. Doch innerhalb der Familie gab es erhebliche Spannungen. Besonders die Abstammung Dschotschis war aufgrund seiner möglichen Herkunft aus der Zeit von Börtes Gefangenschaft bei den Merkit ein Thema.

Schließlich einigten sich die Söhne und die führenden Gefolgsleute auf Ogodai (Ögedei), den dritten Sohn Dschingis Khans. Er galt als ausgleichend und geeignet, die Einheit des jungen Mongolenreiches zu bewahren.

Der letzte Feldzug gegen die Tanguten

Im Jahr 1226 begann Dschingis Khan seinen letzten Feldzug gegen das Reich der Tanguten (Westliches Xia). Die Tanguten hatten sich in der Vergangenheit wiederholt dem Einfluss der Mongolen widersetzt und waren aus Sicht Dschingis Khans ein ungelöstes politisches Problem.

Seine Frau Yesui begleitete ihn auf diesem letzten Feldzug. Während einer Jagd ereignete sich ein schwerer Unfall: Nach einer Überlieferung der „Geheimen Geschichte der Mongolen“ stürzte Dschingis Khan von seinem Pferd und erlitt Verletzungen.

Trotz seines hohen Alters und seiner Verletzungen setzte er den Feldzug fort und führte seine Armee weiterhin persönlich. Die Mongolen besiegten die Tanguten schließlich im Jahr 1227. Das Reich der Tanguten wurde zerstört und in das Mongolenreich eingegliedert.

Der Tod Dschingis Khans und sein unbekanntes Grab

Kurz nach dem Sieg über die Tanguten starb Dschingis Khan im Jahr 1227. Die genauen Umstände seines Todes sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Die mongolische Überlieferung führt ihn auf die Folgen des Sturzes vom Pferd zurück, während andere historische Quellen auch andere Möglichkeiten nennen.

Dschingis Khan wurde vermutlich in seiner Heimatregion im Khentii-Gebirge nahe dem heiligen Berg Burkhan Chaldun bestattet. Der genaue Ort seines Grabes ist bis heute unbekannt und gehört zu den größten ungelösten Rätseln der mongolischen Geschichte.

Zum Zeitpunkt seines Todes hatte Dschingis Khan ein Reich geschaffen, das sich von Ostasien bis weit nach Zentralasien erstreckte. Seine Nachfolger führten die Expansion weiter und bauten das Mongolenreich zum größten zusammenhängenden Landreich der Weltgeschichte aus.

936 Die altmongolischen Kitan dringen in Nordchina ein.
947-1125 Liao-Dynastie der Kitan in Peking.
Anfang des 12. Jhd. Erste Versuche, die Mongolen zu einigen. Der Zusammenschluß der Stämme, den Kabul Khan zuwege bringt, ist jedoch nicht von Dauer.
1123 Die Dschürtschäten, ein altmandurisches Volk, haben die Macht der Kitan gebrochen. Ein Teil der Kitan weicht nach Westen aus und gründet im östlichen Turkestan das Reich Kara-Kitai.
1125-1234 Die Goldene Dynastie der Kin (Dschürtschäten) in Nordchina
1162 Temudschins Geburt
um 1171 Tod Jesügeis
1175 [Dschingis Khan als Vasall der Kere’iten]
um 1190 Mehrere Mongolenstämme erheben Temudschin zum Khan mit dem Titel Dschingis Khan, das heißt ozeangleicher Herrscher.
um 1196 Als Verbündeter der Kin zieht Dschingis Khan zusammen mit den Keräit gegen die Tatar ins Feld
1201 Im Kampf um die Alleinherrschaft über die Mongolen wird Dschamucha, Dschingis Khans Rivale, zum Gegenkhan proklamiert
1202 Vernichtung der Tatar
1203-1204 Dschingis Khan besiegt den Ong-Khan (Toghril) der Keräit und die Naiman. Hinrichtung Dschamuchas
1206 Die turkomongolischen Stämme und Völker rufen Dschingis Khan zu ihrem Herrscher aus. Damit ist die Einigung der Mongolen in einem Nationalstaat vollzogen. Dschingis Khan beginnt mit dem Aufbau eines straff organisierten feudalistischen Militärstaates. Er erläßt Gesetze, die Jassah, die zur Konsolidierung des entstehenden Reiches beitragen.
1209 Die türkischen Uighuren unterstellen sich der Souveränität Dschingis Khans.
1209-1210 Der Staat der Tangut wird unterworfen
um 1210 Entmachtung des Schamanen Kökötschü
1211 Krieg gegen das Reich Chin Erst Dschingis Khans Nachfolger Ogodai kann ihn erfolgreich beenden (1234).
1215 Peking fällt in die Hände der Mongolen. [Sultan Muhammad von Chorezm erobert Afghanistan]
1218 Die Mongolen dringen in Ostturkestan ein; sie werden von der muslimischen Bevölkerung als Befreier begrüßt. Gebot Dschingis Khans, jedwede Religion zu achten.
1219 Dschingis Khan nimmt Rache. Mit 150 000 Mann wendet er sich gegen Muhammed II., den Sultan von Chorezm. Er erobert Buchara und Samarkand (1220), Urgentsch(1221) und überschreitet den Amu-Darja.
1221 Einfall in Afghanistan und Chorasan. Im Spätjahr erreicht Dschingis Khan den Indus, wo er innehält
1222 In seinem Lager am Hindukusch empfängt Dschingis Khan den taoistischen Philosophen Changchun [Ch’iu Ch’ou Ch’ang-ch’un], mit dem er freundschaftlich verbunden bleibt.
1223 Schlacht an der Kalka in der Steppe am Asowschen Meer. Die Mongolen besiegen die vereinigte Streitmacht der Russen und Polowzer. Die Sieger machen einen Abstecher auf die Krim und kehren über die Wolga nach Mittelasien Zurück.
1225 Dschingis Khan, der Afghanistan im Herbst 1222 verlassen hatte, trifft wieder im mongolischen Kernland ein.
1226 Strafexpedition gegen die aufsässigen Tangut; es ist der letzte Feldzug des Mongolenherrschers.
1227 Dschingis Khan stirbt im Land der Tangut; er wurde 65 Jahre alt.
1229-1241 Unter der Regierung Ogodais vollenden die Mongolen die Eroberung Nordchinas, Persiens und Südrußlands
1239 Unterwerfung der südrussischen Steppe durch Dschebe und Sübütai
1241 Schlacht bei Wahlstatt. Tod Herzog Heinrichs II. von Schlesien. Sieg Sübütais über den König von Ungarn, Bela IV. Im Juli erreichen die Mongolen Neustadt bei Wien.
1241-1246 Regentschaft Töregens
1243 Sieg Baidus über die Seldschukenarmee Sultan Kai-Khusrau II. bei Kösedagh
1246 Wahl Güjüks zum Großkahn. Reise des Franziskanermönchs Johann von Carpin zu den Mongolen.
1251 Wahl Möngkes zum Großkahn
1256 Hülagüs Ankunft in Persien. Vernichtung der Isma’iliten (Assassinen)
1258 Einnahme Bagdads, Zerstörung des Kalifats
1259 Tod Möngkes
1260 Kubilai wird Großkahn der Mongolen. Eroberung Syriens durch Hülagü. Plünderung von Krakau durch die Mongolen.
1265 Tod Hülägüs. Die Mongolen verwüsten Thrakien. Bündnis zwischen Michael Palaiologos und dem Mongolenkhan Nogai
1271 Reise Marco Polos nach China
1279 Die Eroberung des Sung-Reichs durch Kubilai
1280 Kubilai macht sich unter dem Dynastienamen Yüan zum Kaiser von China
1294 Tod Kubilais
1298 Der persische Geschichtsschreiber Rachid ad-Din schreibt die Geschichte der Mongolen

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